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Interviewreihe "Allover" Teil 6: Almut Linde

Beitrag von Alexander Leinemann - 18. März 2021

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Man könnte sagen, in meiner Praxis des „Dirty-Minimal“ arbeite ich nicht mit einem „leeren Blatt“ als Basis, sondern mit einem „vollen Blatt“, das eine lokale Instanz der Realität ist. […] Das Entscheidende im „Dirty-Minimal“ ist der direkte Umgang mit Realität ohne Umwege. – Almut Linde


Innerhalb der bisher geführten Interviews ist eine Erkenntnis mit aller Klarheit und Deutlichkeit herausgestochen: Der Begriff des „Allover-Paintings“ ist ein immerwährend lebendig erscheinendes Relikt seiner vergangenen Zeit.


Das Überbleibsel einer formalistischen Kunstbetrachtung steht jedoch für mehr, als nur die zur Definition gebrachten Charakteristika des damit kategorisierten Bildes Jackson Pollocks. Mit dem nun gegenwärtig bestehenden zeitlichen Abstand und der umfangreichen Literaturrecherche, die einen abgeschlossenen Quellen-Korpus für die Dissertation generieren konnte, geriet eine Künstlerin in den Fokus, die nicht nur in ihrem Werk, sondern auch in der damit verbundenen Theorie neue Sichtweisen für den Forschungsgegenstand aufbringen konnte. Die Künstlerin Almut Linde und der von ihr formulierte Begriff des „Dirty-Minimal“ eröffneten die Möglichkeit, Pollocks Errungenschaften und die Diskursgeschichte des „Allover-Paintings“ zu einer gegenwärtigen Klärung zu überführen, die nicht durch festgefahrene Fachtermini bestimmt wird. Lindes Werke, die einen steten Prozess der Bewusstseinsarbeit darstellen, operieren mit dem Vorgefundenen der vergangenen Formalitäten und übersetzen diese in ein gegenwärtiges Gerüst des Realen. Die Probleme der Übermenge in der Natur und der damit einhergehenden Schwierigkeit, diese in eine darstellende Form zu überführen, sind für Linde der Anreiz, um mit dieser Problemstellung in einen künstlerischen Dialog zu treten.


Das umfangreiche Gespräch mit der Künstlerin förderte nicht nur eine weitere Teilnehmerin für die damit endgültig abgeschlossene Interviewreihe des Forschungsprojektes zu Tage, sondern verdeutlichte die aktueller denn je bestehende Notwendigkeit in der Aufarbeitung stagnierender Fachtermini des vergangenen Jahrhunderts.


Die Interviews mit Katharina Grosse, Franz Gertsch, Axel Hütte, Thomas Struth, Jörg Sasse und Almut Linde finden im Anhang der Dissertation ihre Veröffentlichung.

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