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Interviewreihe "Allover" Teil 3: Thomas Struth

Beitrag von Alexander Leinemann - 28. Januar 2021

Ich finde es immer furchtbar, wenn jemand sagt, dass er oder sie diese Fotografie irgendwie malerisch findet. – Thomas Struth

 

Die zur Nachzeichnung der historischen Ausbreitung des Fachterminus „Allover-Painting“ angesetzte Interviewreihe geht in die nächste Runde und verweilt im Feld der Fotografie. Der ebenfalls zur ersten Generation der Becher-Klasse zugehörige Künstler Thomas Struth war der nächste Gesprächspartner, der sich für eine umfangreiche Diskussion in Bezug auf das Dissertationsprojekt zur Verfügung stellte. Struth, der zu Beginn seines Studiums an der Düsseldorfer Kunstakademie im Jahr 1973 noch Malerei bei u.a. Gerhard Richter studierte, wandte sich jedoch in den folgenden Jahren von diesem Medium ab und trat in die Klasse für Fotografie bei Bernd Becher ein. Dieser Wechsel beeinflusste sein fortkommendes Schaffen grundlegend und blicken wir heute auf seine biographischen Details zurück, so zeichnet sich ein allzu facettenreiches Oeuvre von unterschiedlichen Graden der Beeinflussung ab.

Auch wenn der Künstler sich dezidiert in seiner Serie der „Museumsbilder“ schon einmal mit dem amerikanischen Künstler Jackson Pollock und dessen Werk „Number 31“ (1950) befasst hat, sind es doch die Bilder einer anderen Serie, den „New Pictures from Paradise“, die in der Forschungsliteratur vom Geist des abstrakten Expressionisten heimgesucht werden. Jedes Geäst, Gestrüpp oder anderweitige Grünbepflanzung wird mit ästhetischen Versatzstücken der Vergangenheit assoziiert sowie kontextualisiert. Es scheint so, dass nach Pollocks abstrakten Werken ein Bild eines verwilderten und undurchdringlich erscheinenden Dschungels nur noch als abstrakte Landschaft von malerischer Manier gelesen werden kann, ohne die medienbedingten Unterschiede dabei im Gedächtnis zu behalten. Innerhalb des Interviews wurde daher nicht nur ein Blick auf die vom Fachterminus belegten Arbeiten im künstlerischen Portfolio von Thomas Struth gelegt, sondern zugleich anhand eines zuvor erarbeiteten Fragenkataloges diese Sichtung mit weiterführenden Überlegungen und Diskussionsgrundlagen erweitert.  

Die Entstehungsgeschichte rund um die „New Pictures from Paradise“, das Verhältnis zur Malerei des Abstrakten Expressionismus, künstlerische Vorlieben in der Fixierung des Blickes der Betrachtenden und letztendlich die dezidierte Aufschlüsselung der Übernahmemöglichkeiten des Begriffes „Allover“ im Medium der Fotografie machten das Interview zu einem erneut als komplementierend anzusehenden Bestandteil des Dissertationsprojektes.

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