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Aus den Archiven I: Archive Michel Tapié, Bibliothèque Kandinsky

Beitrag von Dominik Eckel - 22. November 2021

Centre_Pompidou,_Paris_02.jpg Durch die Unterstützung mit den Feldman-Reisebeihilfen für mein Promotionsprojekt werden Recherchen in ausländischen Archiven ermöglicht. Das erste Ziel, das nun nach den eingeschränkten Reisemöglichkeiten erreicht werden konnte, war die Auswertung des Archive Tapié in der Bibliothèque Kandinsky im Centre Georges Pompidou, Paris. In folgenden Beiträgen stelle ich auch die weitern Ziele und Recherchen der Feldman-Reisebeihilfen vor.

 

Michel Tapié ist ein Schmelztiegel für die Kunst des Informel. Er stand in Kontakt zu zahlreichen Künstler:innen, Galerist:innen und Museumspersonal und seine Korrespondenz-Verhalten in den 1950er Jahren könnte man nahezu als invasiv beschreiben, da er im hochfrequenten Austausch mit vielen Kulturakteur:innen, vor allem aus der abstrakten Kunst, stand. So verwundert es nicht, dass im Archiv Tapié nicht nur Korrespondenz erhalten ist, sondern auch zahlreichen Visitenkarten, Einladungen zu Vernissagen, Ausstellungskataloge, Manus- und Typoskripte zu Textentwürfen, einige kunstvoll gestaltete Grußkarten, kleinere Druckwerke von Künstler:innen und viele weitere Archivalien. Der Teil des Nachlasses ist enorm reich an unterschiedlichem Quellen.

 

Für die Archivrecherchen im Rahmen des Promotionsprojektes konnte hier ein Teil der Korrespondenz Tapiés, über den die Entwicklung seiner Ausstellungsaktivitäten – zu Beginn der 1950er Jahre – bis ins Ausland nachvollzogen werden können, gesichtet werden. Leihanfragen zu Werken und Gesuche zur Kuration in ausländischen Institutionen mit Künstler:innen der art autre geben Hinweise darauf, wie informelle Kunst und gestische Malerei Galerie- und Museumsräume bespielt. Diese wurden im Hinblick darauf ausgewertet, wie die art autre als Konzept in den USA, Japan und der BRD aufgenommen, durch Ausstellungs- und Textbeiträge, angenommen und/oder abgelehnt wurde. Regionale Unterschiede der Rezeption von gestischer Malerei können so dargestellt werden. Außerdem war es möglich die Reisen von Tapié in die USA und Japan, beides Länder, die für die transkulturelle Fragestellung des Projekts von Belang sind, zu kontextualisieren.

 

Die Vielfältigkeit des Materials würde auch Fragestellungen aus anderen Perspektiven erlauben: Rechnungsbelege, Inventar- und Preislisten lassen seine eigene Sammlungstätigkeit rekonstruieren und weisen auf Kunstmarktstrukturen und einen gezielten Aufbau von Interesse an der art autre hin. Tapiés spätere Tätigkeiten ab den 1950er Jahren, beispielsweise seine Gründung des ICAR (International Center for Aesthetic Research) in Turin und deren Ausstellungen sind im Archiv ebenfalls dokumentiert. Fotos von Ausstellungseröffnungen und Reisen, viele beschriftete Dias, die Tapié zu seinen Vorträgen, zu denen er regelmäßig eingeladen wurde, zeigte und zahlreiche Werkabbildungen sowie einige mehr oder wenige lose Publikations- und Textentwürfe in mehrfachen Versionen diversifizieren das Archiv Tapié. Dieser Fonds wird in der Bibliothèque Kandinsky aufbewahrt, ist aber wegen seines offenen Bearbeitungsstatus nur eingeschränkt zugänglich.

 

Bild: Thomas Oboe Lee, Centre Pompidou, Paris 02, 2010. (© Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

 

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