Sie sind hier: Startseite Die Forschungsstelle Stipendien

Stipendien

Reinhard & Sonja Ernst-Stiftung

Dominik Eckel

Stipendiaten_Bild_Eckel-sw

Dominik Eckel studierte Kunstgeschichte, Romanistik und Germanistik an der Goethe-Universität Frankfurt am Main sowie an der Université Paul-Valéry-Montpellier und schloss 2017 mit einer Magisterarbeit zur Fotografie Hans Hartungs ab. Anschließend arbeitete er als wissenschaftliche Hilfskraft im Deutschen Forum für Kunstgeschichte Paris und ist als Rezensent für Oper und Tanz tätig. Seine Forschungsschwerpunkte betreffen die Zusammenhänge von moderner Malerei und Choreographie. Seit Juni 2019 promoviert Dominik Eckel an der Universität zu Köln mit dem Reinhard & Sonja Ernst-Stiftung-Stipendium.


Kontakt

E-Mail: [Email protection active, please enable JavaScript.]öln.de

Web: https://uni-koln.academia.edu/DominikEckel

 


Zum Forschungsprojekt 

Die Formalisierung der Bewegung in der Malerei nach 1945. Körper und Choreographie bei K. O. Götz, Georges Mathieu, Jackson Pollock und Kazuo Shiraga
 
Das Promotionsvorhaben untersucht die Malerei der vier Künstler in zwei Perspektiven. Zum einen sollen die gestischen Werkprozesse als choreographische Prozesse untersucht werden. Maßgeblich prägen Bedingungen diese Malerei, die mit tanzwissenschaftlichen Ansätzen beleuchtet werden können: Das agieren auf dem am Boden liegenden Bildgrund mit dem gesamten Körper sowie die körperliche Bewegung im ästhetischen Kontext ohne objekt-gebundene Zielsetzung. Diese Ansätze leiten auf neue Antwortmöglichkeiten zu den beiden Fragen hin, was in den abstrakten Gemälden jenseits einer formalistischen Entwicklung sichtbar gemacht werden kann und ob sich ein Übergang von der Darstellung zu einer künstlerischen Praktik von Tanz in der Malerei der 1950er Jahre theoretisieren lässt. Hierzu werden Tanzschriften und Notationsformen in den Blick genommen, die Tänze in unterschiedlichen Medien transkribieren und damit bereits seit mehreren Jahrhunderten Spezifika visuell-körperlichen Überlieferungsstrategien thematisieren. Ebenso geben die Orte, an denen die Malereien aus- und vorgeführt wurden, Aufschluss zu den choreographischen Prozessen der vier Künstler: Von Pollocks abgeschiedenen Atelier in Springs auf Long Island und K. O. Götz Atelier in der Kunstakademie Düsseldorf hin zu den öffentlichen Performances von Georges Mathieus und Kazuo Shiraga unter freiem Himmel und auf Theaterbühnen. Alle vier Künstler ließen sich bei ihrer Aktivität filmen und fotografieren. Diese Aufführungsorte, Dokumentationen und schließlich die Werke selbst können als Quellen für die These der Formalisierung der Bewegung nutzbar gemacht werden.
Zum anderen soll dieser Ansatz auch für eine Untersuchung im transkulturellen Kontext dienen. Das Primat der Geste zeigt sich im Action Painting Amerikas, in der deutschen und französischen informellen Malerei wie auch in der Künstlerbewegung Gutai aus Japan. Die Entwicklung der abstrakten, gestischen Kunst über sprach- und kulturgrenzen hinweg zu untersuchen, wird nicht nur durch ihre schriftliche und mündliche, sondern eben auch durch ihre körperliche Überlieferung ermöglicht. Damit kann einerseits die Abstraktion als „Welt-Sprache“ hinterfragt werden, andererseits aber ebenso der welt-weite, internationale Anspruch dieser Kunstszene und seiner Akteure. Japan war bis 1951 von den USA okkupiert, deren Kulturpolitik auch in Deutschland und Paris präsent war. Damit geht ein ideologischer Anspruch einher, der die Kritik der Nachkriegskunst in Frankreich, Deutschland und Japan mitbestimmt. Deren Auswirkungen auf die abstrakte Malerei und die Positionierung der Künstler in diesem Kontext soll mit diesem Projekt ausdifferenziert werden.

Das Dissertationsvorhaben verfolgt schließlich das Ziel ein Spezifikum der damaligen Kunsttheorie zu erarbeiten, das die körperliche Bewegung und deren Formalisierung beschreibt. Anderseits sollen diese Formen des abstrakten Ausdrucks historisiert und in ihren transkulturellen Zusammenhängen dargestellt werden.


MKM-Stiftung

Alexander Leinemann

Stipendien_Bild_Leinemann-swAlexander Leinemann studierte Kunstgeschichte und Geschichte an der Georg-August-Universität Göttingen und war seit 2015 studentische/wissenschaftliche Hilfskraft für Prof. Dr. Michael Thimann. 2017 erhielt er das Wohn- und Promotionsstipendium der Stadt Göttingen, arbeitete von 2017–2018 im DFG geförderten Forschungsprojekt „ASCH“. Seit 2018 ist er als freier wissenschaftlicher Mitarbeiter im Sprengel Museum Hannover tätig. Das Studium schloss er 2019 mit dem Master of Arts ab und promoviert nun an der an der Georg-August-Universität Göttingen mit dem MKM Küppersmühle-Stipendium.


Zum Forschungsprojekt

Allover - Genese und Geschichte eines Begriffs im Kontext Jackson Pollocks
 
Wieso leitet ein aus dem Umgangssprachlichen adaptierter Begriff wie Allover als „Gespenst der Vergangenheit“ den gegenwärtig geführten Diskurs um fotografische Bildsujets, wenn er doch in der Malerei so sperrig erscheint? Weshalb wurde der Begriff in der differenzierten Auseinandersetzung mit den Werken Jackson Pollocks bereits vor Jahrzehnten gemieden und ist dennoch in der heutigen Forschungsliteratur sowie Schriften zum Moderne-Diskurs immer wieder aufzufinden? Sind die dabei mit der Definition belegten Werke für den Betrachter konkret zu erschließen? Handelt es sich beim Allover um eine Technik, eine Form des Stils oder muss vielmehr von einer geistigen Haltung zum Bild gesprochen werden?
 
Die Gemälde des amerikanischen Künstlers Jackson Pollock (1912–1956), die in den Jahren von 1947–1950 entstanden sind, gehören heute unmissverständlich zu den Hauptwerken im Œuvre des Künstlers. Die von Pollock adaptierte, weiterentwickelte und durch sein Schaffen zu noch nicht gekannter Umsetzung sowie Popularität gebrachte Technik des Drippings, führte zu Bildsujets höchster Abstraktion. Um Pollocks eigenwilliges Spiel mit den tradierten Vorstellungen von einem malerisch geschaffenen Bild jedoch zu erklären, wurden erneuerte und umfassend anwendbare Definitionen für die Bildinhalte seiner Gemälde benötigt. Das aus der englischen Sprache entnommene Wort Allover wurde letztlich definierend und fand als Allover-Painting Einzug in die allgemeine Erschließung. Laut dieser Definition werden die damit belegten Bildinhalte seitdem als dezentralisiert, zerstreut und sich nicht hierarchisch einteilbar bezeichnet. Der Sehprozess bleibt in steter Bewegung und verliert sich im Überall. Der Begriff der Dezentralisierung verweigert in seiner zu oberflächlich bestehenden Nutzbarkeit jedoch eine Übertragbarkeit von Werk zu Werk, wodurch eine allgemeingültig funktionierende und intermedial nutzbare Definition nicht zustande kommt.
 
Das Dissertationsprojekt widmet sich der Entstehung, Geschichte und Semantik des Begriffes und soll insbesondere die Entwicklungen rekonstruieren, die zu seiner Nutzung und globalen Verwendung geführt haben. Im Rahmen der Dissertation wird, ausgehend von einer Analyse des Begriffs im engeren Bezug zu den Werken Jackson Pollocks, zunächst die Grundlage erarbeitet, um dann in diachroner Perspektive, die auch Rückblicke einschließt, die Ausformulierung und Rezeption des Allover-Konzepts zu untersuchen. Bisher fehlt eine stringente Begriffsgeschichte, die die Formulierung aus ihrer metaphorischen Verwendung löst und im Kontext ihrer intermedialen Verwendung die historische Semantik des Begriffs erklärt und ihn letztendlich zu einer verständlichen Definition führt.
 

 

Artikelaktionen